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Streik in Reutlingen

Private Busunternehmen in Baden-Württemberg streikten in einigen Kommunen. So auch in Reutlingen. Hier ist der Stadtverkehr an ein privates Busunternehmen vergeben. Spircht man mal mit einem Busfahrer und er erzählt was er verdient, wundert mich der Streik nicht. Dann soll es oft geteilte Schichten geben. Das heißt er fährt morgens ein paar Runden, hat dann 3 Stunden Pause um dann nochmals ein paar Runden zu fahren.

Laut ver.di sind da noch ein paar ganz andere Dinge zu klären. Er hat ganz enorme Einbußen im Krankheitsfalle. Sprich der Busfahrer in RT fährt zu einem großen Teil auf Zulagenbasis.

Wen wundert es da noch als Fahrgast, wenn frustriert wirkende Fahrer hinterm Lenkrad sitzen.

Außerdem wurde unsere Monatskarte zweimal mit der Begründung der gestiegenen Personalkosten erhöht. Wie erklärt sich dann, dass bei diesen Fahrern davon nichts ankommt.

Warum streiken die Lokführer ?

Morgen, am Freitag,  soll es wieder Warnstreiks geben.

Aber warum streiken die Lokführer ?

Man darf den Streik nicht automatisch nur mit den Lokführern der DB assoziieren . In Deutschland gibt inzwischen unglaublich viele Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die DB ist davon das größte Unternehmen. Andere Firmen sind  angefangen von kleinen Klitschen bis zu Tochtergesellschaften von multinationalen Konzernen. Da wird dann zwar gerne behauptet, das wären nur mittelständische Unternehmen, aber in Wirklichkeit gehören diese Eisenbahnunternehmen einer Holding eines Global Players.

Den Lokführern der DB geht es dabei weniger um hohe Lohnsteigerungen. Es geht ihnen rein ums nackte überleben in Zukunft.

Nehmen wir mal als Beispiel das Eisenbahnunternehmen ODEG. Diese zahlt einen Stundenlohn von 12,10 Euro. Da sind Zulagen für Nachtschichten oder Sonntag  und Feiertage schon inklusive gerechnet !

Das Land Brandenburg und Berlin haben an dieses Unternehmen Strecken und Zugfahrten vergeben. Wohl wissend, dass dieser Lokführer dabei nur knapp über der Grundsicherung verdient.

Nehmen wir als Vergleich die Ansprüche einer vierköpfigen Familie,  die von Hartz IV lebt. Und dem stellen wir den Lokführer der ODEG gegenüber. Der muss in der Nacht raus, braucht ein Auto um zur Arbeit zu kommen usw., wir ziehen von seinem Lohn noch Steuern und Sozialabgaben ab und dann sind wir bei einem Einkommen knapp über dieser Grundsicherung.

Angenommen die DB verliert nun die Ausschreibung einer Strecke und das Land vergibt sie an die ODEG oder meinetwegen an die Hessenbahn (13.- Euro Stundenlohn) dann verliert der DB Lokführer seine Arbeit und kann sich dann auf eine Stelle im  Hartz IV Niveau bewerben.

Und nur darum geht es bei dem Streik. Alle Lokführer sollen sich auf dem gleichen Lohnniveau bewegen und zwar in einer Höhe bei der man nicht automatisch armutsgefährdet ist.

Sollte ein Unternehmen die Streckenausschreibung nicht gewinnen, dann sollen die dort tätigen Lokführer vom neuen Betreiber zu fairen Löhnen übernommen werden und nicht nach 20 Arbeitsjahren wieder bei Null zu Dumpinglöhnen beginnen müssen.

Auch wer 30 Jahre Schichtarbeit hinter sich hat, soll besser geschützt werden, wenn er durch Krankheiten, die er durch diese Schichtarbeit erleidet, nicht mehr so leistungsfähig ist. Dass Schichtarbeit ungesund ist, dürfte jedem klar sein. Und da muss ein besserer Schutz für die Arbeitnehmer her.

Jetzt hat ja da eine Gewerkschaft namens EVG einen Vertrag bereits abgeschlossen und tönt herum, was für tolle Leistungen dieser enthält. Dies ist aber ein Blender Werk. Die angeblichen Lohnsteigerungen errechnen sich aus einer Erfolgsbeteiligung welches die DB sowieso gezahlt hatte. Die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen hatten keine Erfolgsbeteiligung bezahlt. Dann soll es 1,8 Prozent mehr Lohn geben. Aber die Wochenarbeitszeit steigt um 1 Stunde. Somit ist dieser Tarifvertrag in Wirklichkeit ein Minusgeschäft für die betroffenen Mitarbeiter. Wenn Arbeitgeber dann diesen EVG Unfug sofort unterzeichnen, ist dies verständlich.

Im übrigen hat die EVG noch keinem Mitarbeiter vorgelegt, was er künftig tatsächlich verdienen wird.

So etwas lässt die GdL (Gewerkschaft der Lokführer) nicht mit sich machen. Im übrigen was erdreistet sich eine EVG für Lokführer Tarifverträge abzuschließen obwohl diese gar nicht dafür zuständig ist.

Unsere Politiker wollten die Privatisierung der Bahn. Nun bekommen sie die Auswirkungen zu spüren. An das Streikrecht hat wohl keiner damals gedacht. Und so hat sich ein Herr Ramsauer aus der Tarifpolitik herauszuhalten.