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Nur ein kleiner Haufen

Gelegentlich hört man ungewollt Gespräche mit, deren Inhalt so was von dämlich ist, so dass man sich fragt, wie diese Personen so alt werden konnten, wie sie nun sind.

Ort: Bushaltestelle in Hör- und Sichtweite

Beteiligte Personen:

Männlich, geschätzte Mitte 60, oft den ganzen Tag dort herumsitzend, den Boden anstarren und eine nach der anderen rauchen.

Weiblich, Mitte 50, stets fettige Haare, insgesamt ungepflegtes Äußeres, versoffenes Gesicht und die letzten 20 Jahre nur am motzen, wie blöd Arbeitgeber und alle anderen doch wären, weil sie nicht beschäftigt wird. Dabei wäre sie nur krank, weil Arbeitsbedingungen immer so schlecht sind.

Der Dialog verlief dann sinngemäß wie folgt:

Sie kommt laut schimpfend an die Bushaltestelle. An der Leine einen kleinen Hund, der stets am kläffen ist. “So eine blöde Kuh…, macht so ein Theater wegen des kleinen Hundes…, Unverschämtheit… so dumm….”

Er: “Ja, so ist das”

Sie: “Dabei macht der Hund doch nur einen kleinen Haufen. Das stört überhaupt niemanden auf der Wiese vor dem Haus.”

Er: “Ja, unmöglich diese Leute. Immer beschweren.”

Sie: “Diese blöde Kuh verlangt, dass ich den kleine Haufen wegmache. Weißt du, mit Plastiktüte und so. Bäh, pfui, ich fass das doch nicht an.”

Er: “Ja, ja, verstehe, geht gar nicht.“

Sie:” Die will mich anzeigen und der Hausverwaltung melden. So ein blödes Weib. So eingebildet. Der Haufen ist so klein und stört niemanden. Die kann lange darauf warten, bis ich das wegmache…”

Ich: Stehe von meinem Stuhl auf dem Balkon auf und verziehe mich nach drinnen. Weil ich habe es nicht mehr ausgehalten dies anhören zu müssen.

Vom Leben an der Bushaltestelle

Meine kleine Reihe möchte in unregelmäßigen Abständen

vom Leben an der Bushaltestelle erzählen.

Der Titel hat doppelte Bedeutung. Zum einen soll er darüber berichten, wie es ist in der Nähe einer Bushaltestelle zu wohnen. Zum anderen (und dies wird es mehr betreffen) von Menschen, denen die Bushaltestelle ein Anlaufpunkt ist, um zu kommunizieren, um andere Menschen zu treffen, zusammenzusitzen, zu reden, zum chillen. Beinahe ein Wohnzimmersersatz.

In der Nähe zu wohnen heißt nicht unbedingt, dass man die Bushaltestelle direkt vor dem eigenen Schlafzimmer hat. Sondern auch, wenn diese Luftlinie 50 Meter weg ist. Denn den meisten Benutzern der dortigen Sitzmöglichkeiten scheint nicht klar zu sein, wie sich ihre Gespräche zwischen den Gebäuden übertragen. Ganz besonders in der Nacht.
Selbst wenn an dieser Endhaltestelle in normaler Tonlage und Lautstärke gesprochen wird, überträgt sich dies in die umliegenden höher gelegenen Wohnungen klar und deutlich. Weil die Häuser stehen etwas höher und der Schall überträgt sich auch ungewollt nach oben.

Wenn du dann im Bett liegst und das Fenster schräg gestellt ist, dann verstehst du tatsächlich jedes gesprochene Wort, selbst wenn du es überhaupt nicht hören möchtest, geschweige denn, interessieren würde, was dort des Nachts geredet wird.

Es sitzen dort oft dieselben Menschen. Allen Alters. Manche sitzen 2 oder 3 Stunden da und sind dabei oft alleine.

Im 20 Minuten Takt fährt der Bus die Haltestelle an, Fahrgäste steigen aus und ein, es werden Belanglosigkeiten ausgetauscht Der Bus fährt wieder ab, aber der Vereinsamte sitzt immer noch da.

Dies alles bekommen wir seit 20 Jahren täglich dort mit. Im Winter naturgemäß eher selten, aber im Sommer ist die Endhaltestelle ein kleiner Treffpunkt bis Nachts um drei.
Da hilft alles nichts. Das Schlafzimmerfenster muss geschlossen bleiben, sonst stört das oft nicht sonderlich geistreiche Geschwätz, welches dort geführt wird, beim schlafen.

Wenn Betrunkene dort streiten und randalieren, weil sie im Suff dort gestrandet sind , wird es sehr störend für die Anwohner, die direkt nur wenige Meter gegenüber der Haltestelle wohnen.

Von diesen Dingen und mehr, berichtet diese kleine Serie von der Bushaltestelle.