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Daseinsvorsorge

Daseinsvorsorge

Staatliche Dienstleistungen in der Grundversorgung.

Krankenhäuser, Gesundheitswesen insgesamt, Transportwesen, Strom, Wasser, Gas, Entsorgungsbetriebe, Feuerwehr, Polizei, Bildung und mehr gehören dazu.

Aufgaben die dem Staat obliegen oder ihm obliegen sollten.

Dieser hat in vielen Bereichen die Daseinsvorsorge nach unten an die Bundesländer abgegeben , was zum Teil natürlich auch am Föderalismus liegt. Die Länder wiederum haben Aufgaben an die Kommunen weiter gegeben. Staatliche Aufgaben wurden sogar privatisiert.

Und so haben wir zum Beispiel Unterschiede im Bildungswesen, in den Polizeigesetzen der Bundesländer, in der Qualität und Ausstattung der Einrichtungen.

Damit ist vieles auch von der finanziellen Situation der einzelnen Regionen abhängig. Reiche Städte, in denen die Steuereinnahmen sprudeln, betreiben einer bessere Daseinsvorsorge als ärmere Städte, die wirtschaftlich am Ruin stehen.

Der Staat hat sich teilweise aus seiner Verantwortung geschlichen und staatliche Unternehmen privatisiert. Es zählt nur noch der Profit. Alles was Kosten verursacht, kam auf den Prüfstand. 

Und das halte ich schon immer für bedenklich. Jetzt, in der Corona Krise lässt es sich sehr gut mitverfolgen, dass es an vielen Ecken und Enden klemmt.

Plötzlich stellt man fest, dass Ausrüstungsgegenstände in Krankenhäusern fehlen. Dass Produktionen ins Ausland verlagert wurden, die man besser im Land behalten hätte und benötigter Nachschub ausbleibt.

Seit geraumer Zeit weiß man auch, dass vorne und hinten das Personal fehlt. Berechtigte Lohnforderungen wurden trotzdem abgelehnt. Und gibt sich dann ganz erstaunt darüber, dass der Nachwuchs in vielen Berufen fehlt. Und zwar genau in den Berufen, die als systemrelevant gelten. Jetzt merkt man, dass diese Alltagshelden eben doch benötigt werden. 

Im Transportwesen arbeiten Lkw-fahrer zu miesen Konditionen und Bedingungen ,die sich Homeoffice Angestellte im Traum nicht vorstellen können. Die Verkäuferin an der Kasse steht unter Dauerstress und Dauerbeobachtung.  Stets den Nörglern und Unzufriedenen ausgesetzt und ständig in der Angst zu erkranken.

Hochgelobte Privatbahnen, die ja angeblich alles besser machen sollten, haben ihren Betrieb komplett eingestellt. Andere die ihren Betrieb noch nicht aufgegeben haben, überleben teils nur noch mit dem  vorübergehend ausgeliehenen Personal eines ehemaligen Staatsbetriebes, der auf dem Papier privatisiert wurde.

Die von allen bejubelte Buskonkurrenz, die mit grün lackierten Fernbussen unterwegs war, fährt auch nicht mehr. 

Immer mehr wurde nach unten durchgereicht. Immer mehr gespart. Immer mehr gekürzt. Der Bund, die Länder und Kommunen haben durch Sparmaßnahmen ihre Jahreshaushalte verschönert. Prämien wurden ausgeschüttet, an Theoretiker die Einsparmaßnahmen fanden und erfanden. Geld wurde an Beratungsfirmen verballert. Alles nur um einzusparen.

Doch jetzt kommt die große Retourkutsche und durch „unbürokratisches“ Bereitstellen von Milliarden versucht man den Sparwahnsinn der vergangenen Jahre zu vertuschen und wieder wettzumachen. 

Krankenschwestern, Ärzte, Altenpfleger arbeiten an ihrer Belastungsgrenze. Wie lange noch ? Wann können sie nicht mehr ?

In unserem Freundeskreis befinden sich Krankenschwestern und Pfleger. Was mir immer noch zu schaffen macht, war die Bitte eine Krankenschwester: „Betet für mich, ich bin auf der Quarantänestation eingesetzt.“

So könnte man eine noch viel längere Liste erstellen, mit Missständen die produziert wurden, weil an falscher Stelle gespart wurde und jemand seine Boni dafür kassiert hat.

Die Menschen klatschen am Abend aus den Fenstern, um die heilenden Berufe zu motivieren und um sich zu bedanken.  Das ist sehr schön, macht aber niemanden satt und nimmt keine Überstunden ab. 

Findet künftig ein Umdenken in Politik und bei der Bevölkerung statt ? Bekommt Daseinsvorsorge wieder den Stellenwert, der angemessen ist ? Oder ist alles ganz schnell wieder vergessen, wenn die Corona Pandemie wieder rückläufig ist ?

Daseinsvorsorge kostet Geld. Richtig viel Geld Man muss in Material, Personal und Vorratshaltung stets investieren.  Insgesamt jedoch vermutlich deutlich weniger, als jetzt über Nachtragshaushalte reingebuttert werden muss.

Es bleibt spannend.